Mettnau-Turm
Der Mettnau‑Turm auf der Halbinsel Mettnau ist ein 18 Meter hoher hölzerner Aussichtsturm, der einen der eindrucksvollsten Rundblicke über den westlichen Bodensee bietet.
Von seiner Plattform aus öffnet sich der Blick nach Norden über den Markelfinger Winkel, nach Süden über Zeller See, Gnadensee und den eigentlichen Untersee. Bei klarer Sicht reicht das Panorama weit über die Region hinaus: zum Hegau mit seinen Vulkanbergen, zur Insel Reichenau, zum Thurgauer Seerücken sowie bis zu den Schweizer Alpen mit dem markanten Säntis.
Informationstafeln erläutern die Landschaft und die Besonderheiten des Naturschutzgebiets Mettnau, das bis zum Turm ganzjährig zugänglich ist. Der Weg bis zur äußersten Spitze der Halbinsel wird hingegen aus Rücksicht auf brütende Vögel jährlich vom 31. August bis 15. April geöffnet – mit leichten Abweichungen je nach Brutverlauf.
Der Turm selbst hat eine bewegte Geschichte. Er wurde 1938 als Vogelbeobachtungswarte für das damalige „Reichsnaturschutzgebiet Mettnau“ errichtet und 1940 nach dem Schriftsteller Ludwig Finckh benannt, der in Gaienhofen lebte und ab 1933 aktives Mitglied der NSDAP war. Nach 1945 benannte die Stadt Radolfzell den Turm um, doch im Sprachgebrauch vieler Einheimischer blieb der alte Name lange erhalten. 1961 musste der baufällig gewordene Bau abgetragen und neu errichtet werden. 1976 wurde anlässlich Finckhs 100. Geburtstags sogar eine unkritische Gedenktafel angebracht, was die komplexe Erinnerungskultur rund um den Turm bis heute sichtbar macht.
Heute ist der Mettnau‑Turm ein beliebtes Ziel für Naturfreunde, Spaziergänger und Vogelbeobachter – doch seine Zukunft ist ungewiss. Das Holzbauwerk ist inzwischen stark in die Jahre gekommen und weist deutliche Schäden auf. Ohne eine umfassende Sanierung droht in den kommenden Jahren die Sperrung des Turms. Damit wäre nicht nur ein markantes Wahrzeichen der Mettnau betroffen, sondern auch einer der schönsten Aussichtspunkte der gesamten Bodenseeregion.
